Spastizität

Neurologie

Direktor:
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Stefan Schwab

Spastizität

Prinzipiell werden bei der willentlichen Ausführung von Bewegungen Nervenimpulse über zwei Stationen vom Großhirn über das Rückenmark in den Muskel fortgeleitet. Außerdem können Muskeln auch über willkürlich nicht beeinflussbare Muskelreflexe aktiviert werden.

Hierbei führt eine plötzlich Dehnung von Muskeln zu einer Aktivierung von Sensoren („Muskelspindeln“) im Muskel, welche ins Rückenmark geleitet, dort direkt umgeschaltet und wieder in den Muskel zurückgeleitet wird. Dies ist z.B. beim Stolpern ein wichtiger Mechanismus um über eine rasche, „reflektorische“ Kniestreckung einen Sturz zu verhindern.

Nach einem Schlaganfall oder anderen Erkrankungen wie z.B. Multipler Sklerose etc. kann es jedoch zu einer Überaktivität solch reflektorischer Mechanismen kommen. Dies führt zu teils schmerzhaften Verkrampfungen („erhöhter Muskeltonus“) in den gelähmten Muskeln bzw. Gelenkfehlstellungen und somit zu einer über die Lähmungserscheinungen hinausgehenden Beeinträchtigung von alltäglichen Tätigkeiten oder zu Problemen bei der Körperpflege.

Neben Medikamenten, welche naturgemäß im ganzen Körper wirken und oft nur eine begrenzte Wirksamkeit haben lassen sich umschriebene Muskelverkrampfungen bzw. Bewegungseinschränkungen oder Schmerzen durch Injektionen mit Botulinumtoxin behandeln und damit auch Langzeitfolgen wie Gelenkkontrakturen verhindern. Bei ausgeprägter Spastik beider Beine ist auch die Implantation einer Medikamentenpumpe, welche die Spastik mildernde Medikamente direkt in das Nervenwasser abgibt prinzipiell möglich.