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Neurologie

Direktor:
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Stefan Schwab
Neurologie, Epilepsiezentrum, Uni-Klinikum

Zugang zu neuen Medikamenten eröffnen

Aufruf zur Unterstützung einer Online-Petition für die bessere Versorgung von Menschen mit Epilepsien

Neue Erkenntnisse aus der Forschung schnell Patienten zugutekommen zu lassen, das ist das erklärte Ziel der Ärzte des Universitätsklinikums Erlangen. "In Deutschland ist es uns allerdings nicht möglich, Menschen mit Epilepsien mit neuen Medikamenten zu versorgen", bemängelt Prof. Dr. Hajo Hamer, Sprecher des Epilepsiezentrums der Neurologischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Dr. h. c. Stefan Schwab) des Uni-Klinikums Erlangen. "Von genau diesen Arzneimitteln profitieren aber Patienten im restlichen Europa." Der Grund für die ungleiche Versorgungslage ist das deutsche Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG): Es verpflichtet den Hersteller dazu, nachzuweisen, dass sein neues Medikament besser ist als bereits verfügbare Standardtherapien für denselben Anwendungsbereich. Die Arznei muss also einen sogenannten Zusatznutzen haben, sonst wird sie nicht zugelassen. "Der Grundgedanke hinter dem Gesetz ist gut, aber an der Art und Weise, wie es angewendet wird, scheitern bislang alle Epilepsiemedikamente", erläutert Prof. Hamer. "Deswegen fordern wir eine Reform des AMNOG und bitten dafür um Unterstützung bei unserer Online-Petition." Unterzeichnen kann jeder deutsche Bundesbürger: Sobald 50.000 Unterschriften vorliegen, kann der Antrag offiziell beim Deutschen Bundestag eingereicht werden.

Für Epilepsien gibt es keine Standardtherapien. Jeder Patient reagiert unterschiedlich auf die Behandlung, auch wenn die gleiche Form der Erkrankung vorliegt. "Während wir dem einen Patienten mit einer bestimmten Arznei helfen können, bleibt sie beim anderen wirkungslos", veranschaulicht Prof. Hamer die Schwierigkeit. "Der Betroffene gilt dann als therapieresistent." Von den rund 500.000 Menschen in Deutschland, die an einer Epilepsie erkrankt sind, gilt rund ein Drittel als therapieresistent. Das heißt, dass aktuell mehr als 150.000 Patienten unter den für die Krankheit typischen Anfällen leiden und bislang nicht davon befreit werden können. "Die Betroffenen benötigen dringend neue Medikamente", fordert Hajo Hamer, der die Petition als 2. Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie begleitet hat. "Wir müssen die individuell bestmögliche Versorgung unserer Patienten sicherstellen und die systematische Benachteiligung deutscher Betroffener gegenüber anderen in Europa stoppen."

Neue Medikamente müssen vor ihrer Einführung in Deutschland zwei Hürden nehmen: Nach der wissenschaftlichen Beurteilung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) und die darauf basierende Zulassung durch die Europäische Kommission, prüft auch der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) in Berlin das Arzneimittel. Ein entscheidendes Kriterium ist der Zusatznutzen, also der Nachweis, dass das neue Medikament besser wirkt als bereits verfügbare andere Arzneien. "Bei Epilepsiemedikamenten ist das allerdings so, als würden Sie Äpfel mit Birnen vergleichen", sagt Prof. Hamer. "Wir sprechen uns nicht gegen die Prüfung an sich, sondern gegen die Methodik aus. Diese muss reformiert werden."

Erlanger Epilepsiezentrum

Im überregionalen Epilepsiezentrum der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen werden jährlich rund 4.000 Patienten betreut. Als interdisziplinäres Zentrum der höchsten Versorgungsstufe (Grad IV-Zentrum) inklusive der präoperativen Epilepsiediagnostik und -chirurgie verfügt das Erlanger Epilepsiezentrum über alle relevanten Diagnosetechniken und Behandlungsmöglichkeiten. Insbesondere schwer behandelbare Epilepsien werden diagnostiziert und mit allen von der heutigen Wissenschaft anerkannten Methoden therapiert.

Link zur Petition 58646 "Arzneimittelwesen - Reform des Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes (AMNOG)"

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Hajo Hamer
Telefon: 09131 85-39116
E-Mail: hajo.hameratuk-erlangen.de

 

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